Mittwoch, 17. Juni 2015

Out of my mind - Epische Epicness


Epik im eigentlichen Sinne bedeutet erzählende Literatur. Umgangssprachlich wird es verwendet, um ein Superlativ des Superlativs auszudrücken. Die ultimative Steigerung.
Gut. Besser. Am Besten. Episch.

Auf Literatur bezogen finde ich, dass die beiden Bedeutungen teilweise vermischt und zu einer dritten Form vereint werden. Epische Literatur ist in der Lesersprache High Fantasy mit ausmaßenden Schlachten, beeindruckenden Intrigen, ultimativen Helden und vor allem epischen Namen.

Der Wandel der epischen Namen

Eine fiktive Welt prägt sich durch ihre Namen. 
Und die hohe Fiktion ist geprägt durch Tolkien und seine Welt Mittelerde.

"Mit dem leicht verspäteten Erfolg des Romans [Herr der Ringe] in den 1960ern begannen weitere Autoren, High-Fantasy-Romane zu schreiben und zu entwerfen. Viele ließen sich dabei von Tolkien inspirieren oder griffen direkt auf seine Motive zurück." Wikipedia

Aus der mittelerdischern Namensgebung tropft das fiktional förmlich heraus. Die wenigstens würden sich den Namen "Meriadoc" für ihr Neugeborenes aussuchen. Dadurch gewinnt man beim Lesen automatisch den Eindruck, sich in einer völlig anderen Welt zu befinden. Und das ist es ja, was Fantasy will.
Nach Tolkien begann sich das High Fantasy-Genre richtig zu entwickeln. Viele Autoren orientierten sich an der tolkienschen Namensgebug und kreierten möglichst kreative Fantasy-Namen. Am besten versehen mit sonderbaren Zeichen und kaum aussprechbaren, aber interessant aussehenden Buchstabenkombinationen.
Urû’baen zum Beispiel, die Hauptstadt des Imperiums aus "Eragon". Wie zur Hölle soll man das aussprechen? Es sieht zwar episch aus, verliert aber bei näherer Betrachtung seine Wirkung.

Das ist wohl der Grund, warum sich ein Wandel in der Namensgebung vollzog. Der Effekt des epischen Aussehens wird mit doppelten Vokalen oder eigentlich sinnlosen H's kreiert, aber gleichzeitig bleiben die Namen aussprechbar und einfacher zu merken. Ich finde, sich die Namen von Orten und Personen in Fantasy-Welten merken zu können, ist ein großes Plus für diese Welt ^^ 
Als Gegenbeispiel zu Urû’baen nehmen wir mal Königsmund, die Hauptstadt der Sieben Königslande von Westeros. 
Das kann man sich merken. Das kann man aussprechen. Und das Wort ist trotzdem ungewöhnlich genug, um den Effekt des Fiktiven zu erzielen. 

Eine Überlegung wäre folgendes: Zur Zeit des Tolkien-Booms tat man alles, um sich der eigenen Welt zu entfremden, in der ja einiges schief lief. Man wollte sich bewusst machen, dass es andere Welten "gibt", in die man fliehen kann. 
Und heute läuft in der Welt immer noch vieles schief. Aber viele Fantasy-Leser der westlichen Welt leben in Wohlstand und Sicherheit. Sie haben nicht mehr das Bedürfnis, in eine andere Welt fliehen zu wollen. Eher wollen sie sich die Fiktion in ihre eigene Welt holen. Deshalb werden sie von Namen angesprochen, die irgendwie gewohnt klingen, aber etwas total Fiktives meinen.
Und dem passen sich natürlich auch die Autoren an.

Was meint ihr zu dieser Sache?
Und welche Namen gefallen euch besser - Bêis'píeL oder Die grauen Musterlande?

Mehr zur Mr. Game of Thrones-Namensgebung tendiert
MissDuncelbunt.


Kommentare:

  1. Na ja, Tolkien hat es ja nicht dabei belassen, sich Namen auszudenken, bei ihm musste es gleich zwei ganze Sprachen sein. xD Die man bekanntlich ja auch singen kann. ^^
    Hm, soweit ich mich erinnere, war bei Eragon zumindest in einem Buch hinten ein Hilfe zur Aussprache dabei ...
    Ich persönlich mag es irgendwie, wenn Namen so episch geschrieben werden, vielleicht gerade, weil es so fremd wirkt. Weil es cool aussieht. Weil es eine komplett andere Welt ist. Allerdings sollten sie aussprechbar bleiben. ^^

    Liebe Grüße ♥

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    1. Stimmt, Tolkien ist ja doch schon ein bisschen überkrass :D
      So weit hab ichs nicht geschafft bei Eragon :'D Wobei ich es irgendwie auch nervig finde, wenn ich erstmal die Sprachhilfe auswendig lernen muss :x
      Klar, man kann das nicht pauschalisieren. Aber irgendwie geht der Trend doch mehr in Richtung Westeros-Style, finde ich.

      Liebe Grüße ♥

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  2. Huhu,
    ich mag ja Wörter, die ich auch aussprechen kann :D

    Aber Königsmund ist für mich da ein heikles Thema, da es im Original "King's Landing" heißt und des auch viel mehr Sinn ergibt, weil er Aegon der Eroberer halt dort gelandet ist.
    Dafür finde ich aber z:B Daenerys einen tollen Namen, oder die Dothraki. Und viele andere *Fangirl*

    P.S George R. R. Martin hat ja auch ein paar eigene Sprachen kreiert, aber nicht so "ausgiebig" Valyrisch und Dothrakisch sind wohl die meist ausgearbeitet von ihm *nerd*

    Also ich mag ungewohnte Namen, die man aber auch mal aussprechen kann, sonst wird es bei Unterhaltung über das jeweilige Buch auch mal peinlich^^

    Ich mag deine " Out of my Mind" total gerne :)

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Ja gut, von der Übersetzung kann man halten was man will. Mehr Sinn machts schon, aber man muss ja auch an die Nicht-Englisch-Verstehenden denken :D

      Ja, ich weiß :) Gegen das Sprachen kreieren hab ich ja nichts, weil das dann die gesamte Namensgebung wieder in einen Sinn verpackt :)
      Wobei Dothrakisch für die Serie komplett neu zusammengebastelt wurde, wenn ich das richtig gelesen habe.

      Genau, das ist dann das perfekte Zwischending :)
      Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit, in der schon das Englisch aus Harry Potter eine Herausforderung war xD Ich hab immer Dumbledor (mit u und bl) gesagt, und (Hufflepuff (ebenfalls mit u und fl). Und bei dem Mc von McGonagall war ich total raus. War mir immer unbegreiflich, wie man das aussprechen soll :'D

      Liebe Grüße :)

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  3. Sehr interessant, besonders der letze Abschnitt. Das war mir bei Eragon damals auch aufgefallen, ich konnte einfach nichts aussprechen! Gab es nicht sogar am Ende immer einen Teil mit Aussprachehilfen? Dummerweise standen da nie die Wörter drin, die ich gebraucht hätte. Dem Game of Thrones-Hype entziehe ich mich (noch), deshalb kann ich dazu nichts sagen.
    Aber wie gesagt, besonders die Überlegungen im letzten Abschnitt finde ich gut und würde ich wahrscheinlich genau so unterschreiben.

    Liebe Grüße
    Lulu

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    1. So weit habe ich es bei Eragon nicht geschafft :x Aber wenn du ihn als unhilfreich einstufst, scheint das wohl nicht weiter schlimm zu sein xD
      Ich bin auch nur ein Serienjunkie in der GoT-Hinsicht, die Buchfans werden da sicher die Augen verdrehen :'D

      Liebe Grüße :)

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