Donnerstag, 26. September 2013

Rezension - Rot wie das Meer

Rot wie das Meer

Heute ist der erste November und das bedeutet, heute wird jemand sterben.
Selbst im hellen Sonnenschein schillert die eisige Herbstsee in allen Farben der Nacht: dunkelblau, schwarz und braun. Ich betrachte die sich stetig verändernden Muster im Sand, zerpflügt von unzähligen Hufen.
Unten am Strand, einem bleichen Streifen zwischen schwarzem Wasser und Kalkfelsen, wärmen sie die Pferde auf. Das ist niemals ungefährlich, aber die Gefahr ist auch nie so groß wie heute, am Tag des Rennens.

Prolog: Heute ist der erste November und das bedeutet, heute wird jemand sterben.
1. Kapitel: Die Leute sagen immer, ohne mich wären meine Brüder verloren, in Wahrheit aber wäre ich ohne sie verloren.

Das Cover ist von dunkel bis roten Wellen umrandet und umrahmt so den Titel in der Mitte. So passt das Cover natürlich perfekt. In der gleichen Schriftart wie der Titel sind am Anfang der Kapitel die Namen der jeweils handelnden Person geschrieben.
Unter dem Schutzumschlag meines Hardcover-Exemplars verbarg sich dann der feste Umschlag, der weiß und mit interessanten Prägungen versehen war. Hier ist der Titel ohne irgendwelche Schattierungen oder Muster in Rot aufgedruckt und in seiner Schlichtheit und der aggressiven Weiß-Rot-Kombination passt auch diese Abbildung sehr gut zur Geschichte.

Die Geschichte spielt auf der Insel Thisby in der Skorpio-See. Jedes Jahr im November spült die See gefährliche fleischfressende Wasserpferde, Capaill Uisce an Land. Auf diesen Tieren liefern sich die Männer der Insel jedes Jahr das Skorpio-Rennen, bei dem das Blut der Gefallenen die See rot färbt.
Puck Connolly beschließt, am Rennen teilzunehmen und das nicht nur als erste Frau, sondern auch mit ihrem gewöhnlichen Inselpferd Dove, wofür sie alles andere als Respekt erntet. Sean Kendrick dagegen hat mit seinem Capall Corr das Rennen bereits vier Mal gewonnen. Ihre Wege kreuzen sich durch den ihrer Pferde und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Die Hauptcharaktere sind Kate Connolly alias Puck und Sean Kendrick. 
Puck ist eines von drei Waisenkindern und als ihr ältester Bruder verkündet, er wolle aufs Festland gehen, trägt sie sich aus Verzweiflung für das Skopio-Rennen ein. Sie glaubt, wenn sie das Rennen und das Preisgeld gewinnt, bleibt er auf der Insel. Gegen die Ablehnung und Feindseligkeit, die ihr daraufhin zuteil wird, hält Puck sich meiner Meinung nach fast heldenhaft. Ihren eisernen Willen und ihr Durchhaltevermögen finde ich beneidenswert und ihre Liebe zu ihrer Heimat und ihrem Pferd durch eigene Erfahrung sehr nachvollziehbar.
Sean hat ebenfalls keine Eltern und lebt und arbeitet auf dem größten Pferdehof der Insel. Dort werden sowohl Vollblüter gezüchtet als auch Capaill Uisce trainiert. Auch Seans geliebter Wasserhengst Corr steht dort. Mit ihm ist er aufgewachsen und daher ist Sean in Bezug auf die Wasserpferde ein wahrer Pferdeflüsterter. Sean zeichnet sich durch seine geradlinige Denkweise aus. Er ist sehr vernünftig und erträgt die Gemeinheiten von Mutt Malvern meist mit stoischer Ruhe. Doch auch er hat Schwachstellen und das macht ihn in seinen Handlungen nachvollziehbar.

Beide Charaktere sind in ihrer Handlungsweise der Innbegriff der Inselleute von Thisby: Hart im Nehmen, verklemmt und rau wie die Insel. Aber unglaublich sympathisch :)

Hier hört die ganze Sache auf, objektiv zu sein, aber ich gebe mir Mühe. Als ich "Rot wie das Meer" zu Ende gelesen habe, hat es mich direkt in eine kleine Krise gestürzt. Der Anfang ist ruhig gehalten und zwischendurch dachte ich: Wenn jetzt nicht gleich was passiert, wirds langweilig. Aber dann nahm die Geschichte Fahrt auf und baute eine ungewöhnliche Idee zu einem absolut lesenswerten Gesamtwerk aus.
Ich weiß gerade kein Wort, um zu beschreiben, wie "Rot wie das Meer" auf mich gewirkt hat. Auf jeden Fall sehr intensiv. 

Was vor allem hervorgehoben werden muss, ist Maggie Stiefvaters unglaublich bildhafter Schreibstil, den ich als Hobby-Schreiberling absolut bewundernswert finde. Der Gedanke "So gut werde ich nie!" war dann auch Auslöser meiner Krise ^^
Beeindruckend fand ich auch, dass die Autorin die Magie der Insel und der Wasserpferde auch auf die Leute übertragen konnte und, ohne es direkt aufzuschreiben, eine magische Spannung zwischen Puck und Sean erschaffen hat. Die aufkeimenden Gefühle der Beiden waren fester Bestandteil, aber nicht der Hauptinhalt der Geschichte und zu Ende waren die beiden noch kein Paar, was ich in Anbetracht der aktuellen Fantasy-Literatur doch ziemlich ungewöhnlich finde. Auch die Verarbeitung mythologischer Aspekte ist für mich ein Pluspunkt,

Zu Bemängeln gibt es neben dem lahmen Anfang und winzigen Schönheitsfehlern im Buch nur eines: Die ungewöhnlichen Traditionen der Insel Thisby wurden als gegeben aufgenommen, so als kenne die Autorin sie alle in- und auswendig und gehe davon aus, der Leser tut dies auch. Vor allem die Methoden, mit denen die Magie der Wasserpferde ruhig gehalten werden kann, irritierten mich ein wenig. Den Namen der Capaill Uisce fand ich gewöhnungsbedürftig und die Aussprache so merkwürdig, das ich lieber beim Käpäil Juisk geblieben bin :D
Letztendlich stören diese Mängel aber nur in geringem Maße und "Rot wie das Meer" bleibt definitiv empfehlenswert!

Zum Schluss muss ich sagen, dass Maggie Stiefvater mir mit diesem Buch ein unglaubliches Geschenk gemacht hat: Ein Buch über Kelpies.
Ich als begeisterte Danksagungs- und Nachwortleserin habe mir natürlich auch hier die Anhänge reingezogen und da stand, dass Kelpie ein anderer Name für die Capaill Uisce ist. Dabei handelt es sich nämlich um schottische Fabelwesen.
Im Nachwort stand außerdem, dass Maggie Stiefvater sich nicht vorstellen kann, eine Geschichte über den anderen Teil der Legende, ein Wasserpferd das zum Mann wird und am Strand umherstreift, zu schreiben.
Und dabei fiel mir auf, dass sie das eigentlich gar nicht muss: Denn Sean Kendrick ist weniger ein Mensch als jemand, der "mit einem Fuß an Land und mit einem im Wasser" steht.

Titel: Rot wie das Meer
Autor: Maggie Stiefvater
Verlag: script 5
Preis: 18,95 €
Altersempfehlung: ab 15 Jahre (meine Empfehlung)

Wie ist eure Meinung zu diesem Buch? Was hat euch besonders gut gefallen und was weniger? Findet ihr, es ist sein Geld wert?

Für den ewig langen Text entschuldigt sich
Miss Duncelbunt.


Kommentare:

  1. Ich hab schon so viel gutes über Maggie Stiefvater gehört, aber zu meiner Schande noch gar nichts von ihr gelesen o.o Das einzige was ich mir mal konkreter angesehen habe war "Shiver". Sollte mal auf meine Liste wandern :D

    Liebe Grüße^^

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    1. Aus irgendeinem Grund hatte ich bisher immer bisschen Distanz zu Maggie Stiefvater gehalten. Keine Ahnung wieso :D

      Also, Rot wie das Meer ist wirklich zu empfehlen ^^

      Liebe Grüße :)

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Danke für deinen Kommentar ♥